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Der Traum geht weiter

Eigentlich wusste ich bereits vor dem Beginn des diesjährigen Landtags-Fußballturniers, dass wir auch dieses mal am Ende nicht den Pokal gen Hallendecke stemmen würden. Aber eigentlich weiß man ja auch vor Beginn einer Bundesligasaison, dass Hannover 96 nicht um den Titel mitspielt. Und trotzdem …

Aber dann gelingt gleich im ersten Gruppenspiel ein zwar nicht schön heraus gespieltes, aber eben doch klares 3:0 gegen die Truppe der Linksfraktion im Niedersächsischen Landtag. Anschließend zeigt sich unser Team im zweiten Gruppenspiel gegen die SPD auf einmal gut organisiert und stabil im Spielaufbau – ein in sämtlichen Trainingsspielen nie dagewesenes Ereignis. Das Spiel endet 1:1, im letzten Gruppenspiel reicht wieder ein Unentschieden zum Einzug ins Halbfinale. Gegen das Team der Landespressekonferenz liefern wir wieder alles andere als schönen Fußball ab, aber wie heißt es doch so schön: Der Ball muss ins Tor, alles andere ist zweitrangig. So ertrotzen die „Grünen Grashüpfer“ ein taktisch ermauertes 1:0 und sind Gruppensieger. Ich schaue in glänzende Augen meiner MitspielerInnen und plötzlich liegt ein unausgesprochener Gedanke in der Luft: Dieses mal könnte es klappen. In der Ferne glitzert der Pokal.

Im Halbfinale gegen die FDP geraten wir früh in Rückstand, schaffen aber die Wende und liegen drei Minuten vor Spielschluss 2:1 vorne. Wir können es packen! Noch drei Minuten ohne Gegentor, dann stehen wir im Finale. Dort geht es vermutlich gegen den haushohen Favoriten, die Landtagsverwaltung. Aber vielleicht gelingt es uns ja, ein Unentschieden zu erkämpfen, uns ins Elfmeterschießen zu retten und dann womöglich … Turniersieg, wir liegen uns glückstrunken in den Armen. Bis tief in die Nacht ertönt der Schlachtruf „So sehen Sieger aus!“. Am nächsten Morgen Empfang beim Oberbürgermeister, Eintrag ins goldene Buch der Landeshauptstadt. Danach direkt weiter mit dem ICE zum Empfang nach Berlin. Die gesamte Bundesspitze, sogar die Bürste aus dem Ländle, alle sind sie da. In schwierigen Zeiten wie diesen muss man Feste feiern wie sie fallen. Wir stehen zusammen auf dem Balkon der Bundesgeschäftsstelle, unten werden grüne Fahnen geschwenkt. Noch einmal stemmen wir den Pokal in den Himmel, Jubelstürme, Heiterkeit. Und plötzlich steht er vor uns: Jogi Löw, der echte Jogi Löw! Claudia und Cem haben ihn extra für uns organisiert und alle Beziehungen spielen lassen, ein Wahnsinn. Er reicht uns allen die Hand, wir sind viel zu gerührt um zu verstehen, was er uns sagt. Dann das nächste Highlight, Jogi überreicht uns Eintrittskarten für alle Gruppenspiele der deutschen Elf bei der EM, das Finale gibt es als Sahnehäubchen oben drauf. „Natürlich auch mit deutscher Beteiligung“, fügt der Bundestrainer mit einem Augenzwinkern hinzu. Großer Lacher in der Runde, ist doch klar. Die Ernüchterung folgt gleich im Anschluss, wir fahren nicht als Team allein, die Sitzschalen neben uns gehen an die Bundesspitze. Na vielen Dank auch, 90 Minuten zuzüglich Halbzeitpause ausgewiesener Sachverstand in direkter Nachbarschaft („Der Bessere möge gewinnen!“, „Wo ist eigentlich Ballack, spielt der nicht mit?“). Aber wir sind immer noch viel zu gerührt, um gegen dieses vergiftete Geschenk angemessen aufzubegehren, und außerdem Kummer gewohnt. So sehen Sieger aus!

Aber dann kommt eben doch alles anders. Drei Minuten sind gegen die FDP noch zu spielen und plötzlich erstarren meine Vorderleute zu Salzsäulen, als hätte dem gesamten Team jemand den Saft abgedreht. Angriff auf Angriff rollt auf unser Tor zu und schließlich, in der letzten Sekunde des Spiels, passiert das, was eben passieren muss, auch wenn es eigentlich nicht passieren darf: Der Ball rauscht zum Ausgleich ins Netz. Elfmeterschießen, Glückslotterie. Die FDP verwandelt ihre Elfer sicher, unsere Leute verschießen zweimal. Aus der Traum. In der Ferne glitzert der Pokal. Das Spiel um Platz drei ist nur noch Nebensache, dem Team der Landespressekonferenz gelingt die Revanche für die Gruppenspielniederlage, emotionslos nehmen die „Grünen Grashüpfer“ das 1:3 hin.

Wieder einmal gewinnt die Landtagsverwaltung das Turnier. Aber der Traum bleibt. Heute beginnt die Vorbereitung für das Turnier 2013 und irgendwann schaffen wir es. In der Ferne glitzert der Pokal.

Das perfekte Plakat

Es wird immer wieder trefflich darüber gestritten, welche Wirkung Plakate haben. Trotzdem gehören sie zum Wahlkampf wie der Kaffee zum Frühstück. Und wer einmal beim Plakatieren mitgewirkt hat, der weiß, welche Glaubenskämpfe darüber entstehen können, wie dieses am besten zu kleben und aufzuhängen ist. Von der Beschaffenheit des Untergrundes über die optimale Zusammensetzung des Kleisters bis zur Schlüsselfrage Kabelbinder oder Draht können ganze Parteifreundschaften an dieser Frage zerbrechen. Jan Haude, Landesvorsitzender der GRÜNEN Niedersachsen, über seinen Weg zum optimalen Plakat:

Schritt 1: Das Bekleben

Plakate sind im wahrsten Sinne des Wortes Aushängeschilder einer Partei, aber eben auch Massenprodukte. Deshalb empfehle ich bei den traditionellen Plakatierwochenenden meines Heimatstadtverbandes: Alles, was beim Plakatieren länger als drei Minuten dauert, ist als Promotionsvorhaben zu bewerten – und damit beim Plakatieren deplatziert. Zum Bekleben der Plakate ist ein möglichst glatter Untergrund erforderlich. Dazu sind Wellen und Eselsohren der alten Plakate von den Ständern oder Holzfaserplatten zu entfernen. Eine rückstandslose Beseitigung bis zum kleinsten Partikel ist aber keinesfalls notwendig. Länger als 120 Sekunden sollte man nicht auf die Vorbereitung des Untergrundes verwenden.

Beim Bekleben darf man vor allem eins nicht: Sparen. Lieber den guten und daher auch etwas teureren Kleister nehmen und – ganz wichtig – Leim unterrühren. Denn sonst rollen die Plakate nach den ersten Regengüssen wieder runter. Das mag zwar witzig aussehen, ist aber nicht zielführend. Und auch beim Auftragen des Kleisters darf es ruhig etwas großzügiger sein: Zuerst den Ständer bzw. die Platte komplett bestreichen, dann das Plakat drauf legen, noch mal mit dem Kleisterpinsel drüber gehen und anschließend mit einer Bürste glatt ziehen. Danach das ganze gut trocknen lassen.

Schritt 2: Das Aufstellen

Am praktischsten ist es, beim Aufhängen der Plakate zu zweit unterwegs zu sein. Dann kann man sich gegenseitig unterstützen und netter ist es obendrein. Ich empfehle bei ebenerdig aufgestellten Plakatständern Draht, bei der Befestigung von Faserplatten an Laternen Kabelbinder. Von Leitern rate ich inzwischen ab, da diese beim Transport zu sperrig sind, das Auf- und Abbauen viel zu lange dauert und es in der Regel auch ohne geht: Zuerst den Kabelbinder durch die oberen Schlaufen ziehen und so festzurren, dass er zwar eng anliegt, das Plakat aber noch geschoben und gedreht werden kann. Entscheidend für einen guten Halt ist nämlich die untere Schlaufe. Diese sollte gut festgezurrt werden, denn sonst rutscht das Plakat irgendwann ab.

Und egal, ob jedes einzelne Plakat den Stimmenanteil drastisch erhöht oder nicht – grüner wird es dadurch vor Ort auf jeden Fall;-)

Die Wahrheit liegt auf’m Platz (oder knapp daneben)

Öffentlich allgemein gefestigt ist das Bild, dass sich PolitikerInnen allein mit Worten und Papieren duellieren. Aber das stimmt nicht ganz. Zumindest die Fraktionen im Niedersächsischen Landtag messen sich einmal im Jahr auch körperlich. Oder probieren dies zumindest – beim alljährlichen Landtags-Fußballturnier. Dann wird für einen Tag der Anzug gegen das Fußballtrikot getauscht. Endlich kann man den Abgeordneten der Gegenfraktion, der in der letzten Plenarwoche mit seinen Zwischenrufen genervt hat, seiner gerechten Strafe zuführen (Stichwort „Blutgrätsche“).

Dass auch ich diesem Fußballfest in aktiver Form beiwohnen durfte, ist dem Umstand bzw. dem Passus in der Turnierordnung geschuldet, dass auch Mitarbeiter und Praktikanten nach dem Ball treten dürfen. Und da ich bis vor kurzem einen bescheidenen Anteil meiner Brötchen als Mitarbeiter des hannoverschen MdL Enno Hagenah verdient habe, war ich mit von der Partie.

Trotz einiger nicht zu verhehlender Defizite im Vorjahresturnier (Spitzname: „Die Schranke“), hatte ich es mangels Alternativen auch in diesem Jahr wieder zur unumstrittenen Nummer 1 des Teams geschafft und durch wochenlanges hartes Training pünktlich zu Turnierbeginn eine passable Form erreicht (Spitzname 2.0: „Die Katze“).

Die Serienmeister der Landtagsverwaltung waren auch in diesem Jahr wieder die unumstrittenen Sieger und schnell kristallisierte sich heraus, dass die wahre Spannung im Vergleich der Fraktionsteams steckte. Klaren Siegen gegen die Altherrenkombo der Christdemokraten und der taktisch und spielerisch eher planwirtschaftlich auftretenden Linksfraktion stand ein herbes 1:4 gegen die Sozialdemokraten gegenüber. Letzteren war deutlich anzumerken, dass sie nach Baden-Württemberg nicht erneut Kellner sein wollten. Die FDP war in diesem Jahr nicht mit von der Partie, somit bestand keine Chance auf eine Revanche für die Vorjahresniederlage. Sei’s drum. Am Ende Platz vier, aber punktgleich mit dem Tabellenzweiten und ein hart erarbeiteter Sieg im direkten Vergleich (5:3 gegen das LPK-Team).

Jetzt gilt es nur noch kurz vor dem Turnier im nächsten Jahr einen Werksvertrag bei der Landtagsfraktion zu ergattern – notfalls tut es auch ein Praktikum. Ich muss wieder zwischen die Pfosten!